7 + 7 Fragen zum Jahresende an Franziska Schmid von Veggie Love

Interviewfragen sind immer so eine Sache: Wer sie stellt, sollte sich eigentlich schon mit dem Interviewten auseinandergesetzt haben. Aber wozu doch gleich Fragen stellen, wenn man schon alles über sein Gegenüber weiß?!

So oder so ähnlich ging es Franziska von Veggie love  und mir in der letzten Woche bei einem unserer gemeinsamen Mittagessen: Die finden in letzter Zeit relativ regelmäßig statt, was mich persönlich immer wieder freut, denn mittlerweile sind wir zwei Blogger-Kolleginnen geworden, die einfach wunderbar zusammen arbeiten und über Gott und die Welt reden können. Ich lernte Franziska erst in diesem Jahr kennen, als sie zu einem ihrer Projekte  aufrief. Mittlerweile, 5 Monate später, arbeiten wir zusammen an unterschiedlichen Dingen und haben schon die ein oder andere Veranstaltung zusammen besucht. So hat sie mich, neben vielen anderen tollen Bloggern, für Deutschland is(s)t vegan ins Boot geholt. Mit ihrem Projekt Raw Love zeigte sie kürzlich sehr öffentlich, dass vier Wochen Rohkost nicht nur herausfordernd, sondern auch inspirierend sein können und mittlerweile ist sie als Veganista sogar unter die Fashion-Bloggerinnen gegangen. Und  nun kommt für mich als logischer Schluss dieser Bekanntschaft und des Jahres dieses Interview! Die Fragen haben wir uns gemeinsam ausgedacht. Sie sollten Aspekte beleuchten, die man nicht einfach so nebenbei beantworten kann. Ich denke, bei der Bearbeitung der Fragen haben wir beide festgestellt, dass uns das gelungen ist. ;)

Euch möchten wir nun dazu aufrufen, unsere 14 Fragen (7 lange, 7 kürzer zu beantwortende), einer/einem Blogger-KollegInnen oder inspirierenden Menschen zu stellen und die Antworten auf eurem Blog zu veröffentlichen. Hier nun die Fragen an Franziska:

 

1. Wie sieht ein ganz normaler Wochentag bei dir aus?

Recht schnell nach dem Aufwachen checke ich zum ersten Mal meine Mails – entweder am Computer oder auf dem Smartphone. Dann ins Bad. Danach in die Küche zum grünen Smoothie machen. Normalerweise sitze ich um 9 Uhr am Schreibtisch – in letzter Zeit wieder lieber im Home Office als in meinem Büro. Wenn ich abends länger gearbeitet habe, wird es aber auch mal 10 Uhr. Zwei Tage die Woche arbeite ich in der Sinnwerkstatt als Communication Director, das heißt Smoothie to go im großen Einmachglas und dann dort trinken. Mein Arbeitstag besteht inzwischen aus Unmengen von E-Mails und Nachrichten, dann Recherche für Artikel, Schreiben von Texten und dem Kuratieren von Informationen. Also dem Finden, Lesen, Ablegen und Weiterverwerten von Texten, Bildern, Artikeln und so weiter. Mittagspause mache ich oft erst spät. Wenn ich abends nicht unterwegs oder verabredet bin, arbeite ich dann auch oft noch. In Berlin, wo man auch mal durch die halbe Stadt zu Terminen fahren muss, versuche ich, meine Termine an einem oder zwei Tagen die Woche zu bündeln, auch wenn ich quasi täglich für irgendeine Recherche unterwegs sein könnte. Gala Darling hat die Haupttätigkeit beim Bloggen (nämlich “Hustling”) mal beschrieben und ich erkenne da sehr viel von meiner Arbeit wieder: „Hustling means different things in every business, but to me it typically means finding new advertisers, building relationships with existing ones (like emailing them to see how their campaign is going or coming up with new ideas for the future), thinking up new projects, reading & responding to comments, emails & tweets, doing budgets, researching articles, reading other blogs, finding out what is going on in the blogosphere, networking with other bloggers or people in your industry, doing interviews, & the list goes on.”

2. Stell Dir Dich in zehn Jahren vor – wie beschreibst Du das Jahr 2011?

2011 war das Jahr, in dem ich im April meine Umzugskartons gepackt und bis zum Jahresende nicht wirklich ausgepackt habe, in dem ich durch meinen Beruf so viele tolle Menschen getroffen und Freundschaften geschlossen habe, in dem ich mir Wünsche erfüllen konnte, wie der Umzug in eine noch größere Stadt, ein Netzwerkblog gründen, ein Modeblog starten und mit meinem ersten Buch anzufangen. Es war das Jahr, in dem ich die Rohkost und grüne Smoothies für mich entdeckt habe. Im Bezug auf Veggie Love war 2011 das Jahr, in dem ich monatlich fünfstellige Zugriffszahlen auf dem Blog erreicht habe, was mich mehr als freut.

3. Was passiert bei Dir in 2012?

Wie immer fängt das Jahr im Januar mit der Fashion Week in Berlin an, dann darf ich im Februar auf der BioFach ein Panel rund um Öko-Mode und digitale Kommunikation moderieren, schönerweise an meinem Geburtstag und dem zweijährigen Geburtstag meiner Selbständigkeit. Und das ist nur der Anfang: im Sommer wird das Buch erscheinen. Dann würde ich 2012 in Deutschland gerne etwas Ähnliches wie die Vida Vegan Blogger Conference machen und zur VVBC nach Portland fahren. Und ich habe natürlich auch für das kommende Jahr Wünsche, die ich gerne erfüllen will: wieder mehr ins Ausland reisen, zum Beispiel nach New York, Dänemark oder Schweden, zwei weitere Buchideen habe ich auch und seit Jahren einen Traum im Bezug auf das Schreiben, der nächstes Jahr gerne in Erfüllung gehen kann.

4. Stichwort Kindererziehung: Was wüssten Deine Kinder, sagen wir im Alter von zehn Jahren, über Ernährung?

Ich gehe einfach mal von meiner Familie aus, in der ich selbst schon früh gelernt habe, dass es wichtig ist, gute und biologische Lebensmittel zu verwenden. Dass es etwas Schönes ist, zusammen am Tisch zu sitzen oder im Sommer ein Picknick zu machen. In meiner Familie wird ständig über Essen geredet, gekocht, gebacken und meine Mutter markiert Rezepte für mich, von denen sie denkt, dass ich sie mögen könnte. Wenn ich an meine eigene Kindheit denke, war ich wohl die geborene Veganerin: ich mochte Fleisch noch nie, habe auch noch nie was anderes als Wurst oder Hackfleisch gegessen, habe noch nie Fisch probiert, Milch und Käse mochte ich auch nicht. So ein bisschen würde ich sicher hoffen, dass meine Kinder ebenso sind. Meine Kinder wüssten, woher Fleisch stammt und dass Milch von Tieren für deren Kinder gedacht ist und nicht für uns Menschen. Sie würden sich im Gemüse- und Obstregal sehr gut auskennen, und wüssten auch, was Quinoa, Amaranth und Chia-Samen sind. Sie würden grünen Smoothies trinken und Kale Chips lieben.

5. Wie gehen Deine Verwandten mit Deiner – in ihren Augen vielleicht verrückten – Lebensweise um?

Die Familie meiner Mutter, aus der auch die ganze Weisheit rund ums Essen kommt, ist mehr als unterstützend. Viele meiner Cousinen und Cousins sind VegetarierInnen und meine Großeltern auch schon seit vielen Jahren. Meine andere Oma möchte sich aus irgendeinem Grund das Wort vegan gar nicht merken, aber inzwischen dürfte klar sein, dass es sich bei mir damit nicht um eine Laune handelt. Am Ende vom Tag sind alle froh, dass es mir gut geht und ich glücklich bin. Wahrscheinlich ist eher das mit dem ins Internet schreiben aka Bloggen für meine Familie verrückt als das mit dem Veganismus.

6. Was hast Du dieses Jahr gelernt?

Jede Menge. Die Highlights: Berliner Busfahrer besser nichts fragen. Festplatte sichern (zum Glück nicht durch Verlust gelernt). Veganer küssen besser. Nicht auf mein Bauchgefühl zu hören, endet meist nicht gut. Durchhalten. Einfach machen. Dass der Berliner Wohnungsmarkt nicht mehr das ist, was man im Rest von Deutschland glaubt. Manche Dinge einfach zu vergessen und weiter zu machen. Dass ich mich sehr glücklich schätzen kann, das zu tun, was ich liebe.

7. Dein schlimmstes/schönstes/absurdestes/witzigstes Erlebnis im Zusammenhang mit deiner Ernährungsweise?

Da mein Beruf auch unmittelbar mit meiner Ernährungsweise zusammen hängt: dass ich dadurch so viele tolle Menschen virtuell und in echt getroffen habe. Von den Beiträgen zu meinem einjährigen Blog-Geburtstag bin ich immer noch gerührt. Die Zusammenarbeit mit den vielen AutorInnen bei Deutschland is(s)t vegan, die alle gleich euphorisch zugesagt haben als ich sie angeschrieben habe. Wenn ich Mails bekomme, in denen sich LeserInnen für die Inspiration bedanken.

8. Welche vegane App fehlt dir noch?

Eine, die an langen oder stressigen Tagen dafür sorgt, dass ich regelmäßig esse. Am besten wäre ein App, die für mich das Essen auch gleich zubereitet.

9. Was denkt Dein Browser über Dich?

Mein Browser zieht sicher die Augenbrauen sehr weit hoch, was meine Nutzung von Social Media Kanälen angeht. Gleich nach Facebook & Co rufe ich Veggie Love, DIV, Veganista und Raw Love am Häufigsten auf. Und meine Mails. Und dann würde mein Browser noch sagen, dass ich immer viel zu viele Fenster geöffnet habe und manchmal mehr oder auch weniger erfolgreich versuche, sieben Sachen gleichzeitig zu machen. Und mein Browser weiß ganz genau, dass ich Veganerin bin, Öko-Mode mag, was meine Lieblingsfarbe ist und welche Schuhe ich immer bewundere.

10. Fotografiere etwas, was untrennbar zu Dir gehört.

Vier Gegenstände: mein Kalender. Meine Termine, Artikelideen und Notizen werden immer erst mal handschriftlich festgehalten. Ein pinker Stift, denn erledigte Aufgaben streiche ich in Pink durch. Mein Ring mit einem Rosenquarz, der sehr near & dear to my heart ist. Und ein Herz aus Rosenquarz, das neben dem Ring mein Talisman ist.

11. Lieber essen gehen oder lieber selbst kochen?

Sehr gerne essen gehen. Sehr gerne kochen. Sehr gerne bekocht werden.

12. Welches Buch liegt gerade auf Deinem Nachttisch?

Momentan einige: The Great Gatsby von F. Scott Fitzgerald (mal wieder), Vegan von Marc Pierschel (immer wieder), Straight Edge von Ross Haenfler (zum ersten Mal) und ProBlogger von Darren Rowse (mal wieder für die berufliche Weiterbildung).

13. Blog, Facebook, Twitter, Instagram, Smartphone – bist Du jemals komplett offline?

Ganz ehrliche Antwort: Nein. Höchstens mal ein oder zwei Tage am Stück. Mal sehen, ob ich 2012 wirklich die Auszeit nehme, die ich schon lange plane und dann bin ich auch mal Wochen am Stück offline.

14. Die seltsamste Frage, die Dir je im Zusammenhang mit Veganismus gestellt wurde?

Ob ich meine eigenen Kinder stillen würde. Das sei dann ja nicht vegan. Äh. Ja. Genau.

 

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