Das Microbial Home von Philips: Löst eine Designstudie die Probleme der modernen Welt?

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Was, wenn eure Küche euren Strom produziert, wenn euer Gemüse direkt über dem Esstisch frisch gehalten wird und euer Plastikabfall irgendwann als Pilzragout wieder auf eurem Teller landet?

Klingt nach Zukunftsmusik, ist aber durchaus machbar. Das „Microbial Home“ ist eine Studie, die Design und Nachhaltigkeit auf umfassende Weise verbinden soll und dabei gerade deswegen so faszinierend ist, weil sich wohl jeder vorstellen könnte, sich so ein „System“ in die eigenen Wohnung zu stellen: Das Design ist massenkompatibel und die Vorteile nicht einmal für völlig unsensible Menschen von der Hand zu weisen.

Was ist das Microbial Home?

Es handelt sich beim Microbial Home um eine Designstudie aus dem Philips Design Probe Program, die den Schwerpunkt auf alltagsintegrierte Nachhaltigkeit setzt und wie eine kleine Fabrik funktioniert: Was du reinsteckst, wird umgewandelt und an anderer Stelle wieder gebraucht. Im besten Fall entsteht so ein privater Recyclingkreislauf, der auch noch gut aussieht.

Und das sind die Komponenten der Studie im Überblick:

Bio-Digester Kitchen Island: die Kücheninsel als Herz der Anlage

Dabei handelt es sich um eine Kücheninsel und um das Herzstück des Microbial Home. Hier hat man die Möglichkeit, Abfälle aus der Küche sowie Rückstände aus dem Bad zu sammeln. Der Bio-Digester wandelt diesen Bio-Abfall dann in Methangas um, das als Brennstoff für das Bio-Light, andere Leuchten und als Energiequelle für weitere Systembestandteile verwendet werden kann.

The Larder: Esstisch und Speisekammer zugleich

Wer es nervig findet, ständig vom Tisch aufzustehen, weil auf selbigen noch irgendetwas fehlt, wird sich über „The Larder“ freuen. Es handelt sich dabei um einen Esstisch, in dessen Mitte ein komplettes System zum Verstauen, Lagern und Frischhalten von lebendem Essen (sprich: Obst und Gemüse) integriert ist. In der Tischfläche kann man alles verstauen, was keine Kühlung benötigt. Im oberen Teil des Tisches befindet sich ein Verdunstungskühler für alles, was sonst so im Gemüsefach des Kühlschranks landet. Ergo: Es braucht einen weniger großen Kühlschrank, man verbraucht weniger Strom und spart nicht nur Ressourcen, sondern auch Geld. Die Energie zum Kühlen kommt, wenn ich das richtig verstanden habe, aus dem Bio-Digester und wandert als Bioabfall auch irgendwann wieder dorthin.

Bio-Light: Licht nach dem Phänomen der Lumineszenz

Biolumineszenz ist ein Naturphänomen, das in diesem Fall durch die Bakterien geschieht, die sich im Inneren der Lampe befinden. Sie werden sowohl mit dem Methangas aus dem Bio-Digester, als auch mit Bio-Abfällen „gefüttert“ und leuchten dann. Das Ganze ist nicht in zwei Sätzen zu erklären (jedenfalls nicht für einen Naturwissenschafts-Laien wie mich) aber absolut faszinierend. Lest euch mal den Wikipedia Beitrag zu Biolumineszenz durch, der erklärt, warum die Bakterien in dem Bio-Light leuchten.

Urban Beehive: ein Bienenstock als Kunstobjekt

Ok, das ist das einzige Systemelement, bei dem man als Veganer Bedenken haben könnte.

ABER: Bienen sind eigentlich so gut wie vom Aussterben bedroht und ihnen ein städtisches Asyl zu geben, in dem man Kindern auch noch zeigen kann, wie die Tiere leben und warum sie so schützenswert sind, finde ich toll. Den Honig muss man ihnen ja dann, wie in der Beschreibung zum Designobjekt vorgeschlagen, nicht wegnehmen.

 

Der Paternoster macht Plastikmüll zu Speisepilzen

Dies ist der Teil des Microbial Homes, dessen Funktionsweise mir am wenigsten einleuchtet. Aber die Idee ist fantastisch, und das, was dann dabei raus kommt, ist auch noch essbar. Der Paternoster macht nämlich Plastikflaschen und ausgediente Sojajoghurt Becher zu Speisepilzen. Im Inneren des Gerätes befinden sich Pilz-Kulturen, die die Abfälle zunächst zersetzen und diese dann unter Zuhilfenahme von Licht und Sauerstoff zu Pilzen machen, die wiederum im Esstisch gelagert und deren Abfälle mittels des Bio-Digesters zu Methangas umgewandelt werden können.

Apothecary: Der (etwas gruselige) Hausarzt

Die Überschrift ist natürlich übertrieben, denn es handelt sich bei der Designstudie „Apothecary“ nicht um einen Roboter, der seine Menschen untersucht (soweit ist es dann doch noch nicht…), sondern um ein Gerät, dass man in seine tägliche Hygiene einbauen kann. Es misst Urinwerte und untersucht unseren Atem sowie unsere Zahnbürste auf Auffälligkeiten.

Die Daten werden gespeichert und bewertet. So könnte mich das Gerät beispielsweise warnen, wenn meine pH-Werte auf Dauer zu sehr im sauren Bereich liegen und ich besser wieder mehr basische Lebensmittel essen sollte. ;) Kehrseite der Medaille ist dann natürlich die Frage, wer könnte noch Zugriff auf die Daten haben bzw. wer könnte sich deren Einsicht fordern? Versicherungen, die vor Abschluss einer Police die Daten der letzten 12 Monate einfordern? Auch das ist also ein Objekt des Microbial Homes, das einen gewissen Streitwert hat. Insgesamt ist es aber ein wirklich vielversprechender Entwurf, den ich mir in der Form sogar für mein eigenes Zuhause vorstellen könnte.

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